Home SchiedsverfahrensrechtSchiedsrichter-Akquise: So finden Sie den perfekten Experten für Ihren Fall

Schiedsrichter-Akquise: So finden Sie den perfekten Experten für Ihren Fall

by Jan Dwornig
Historische Gerichtsszene mit Richtern und Anwälten – Symbolbild für Schiedsrichter-Akquise und Expertensuche im Schiedsverfahren

Die Auswahl des Schiedsrichters ist mitentscheidend für den Ausgang eines Verfahrens. Als Rechtsanwalt und praktizierender Schiedsrichter empfehle ich Geschäftsführern und Unternehmensjuristen häufig ehemalige Richter als Schiedsrichter zu berücksichtigen.


Warum ehemalige Richter? Drei strategische Vorteile

1. Prozedurale Souveränität

Ehemalige Richter bringen jahrzehntelange Erfahrung in der Leitung von Verfahren mit. Sie kennen die Fallstricke von Beweisanträgen, Zeugenvernehmungen und Fristenmanagement aus ihrer richterlichen Praxis. Studien zeigen, dass Schiedsgerichte unter Vorsitz von Ex-Richtern 23% seltener wegen Verfahrensfehlern angefochten werden.

2. Entscheidungssicherheit

Ihre Expertise in der Auslegung von Gesetzen und Vertragsklauseln reduziert Überraschungsurteile. Ein ehemaliger BGH-Richter analysiert beispielsweise Haftungsfragen im Gesellschaftsrecht mit derselben Präzision wie in staatlichen Verfahren – ein Pluspunkt bei Streitwerten über 10 Mio. €.

3. Internationale Akzeptanz

Schiedssprüche unter Vorsitz ehemaliger Hochstrichter werden in NYC-Vollstreckungsstaaten seltener beanstandet. Chinesische Gerichte etwa akzeptieren Entscheidungen deutscher Ex-Richter zu 89%, während rein privat bestellte Schiedsrichter nur 67% Erfolgsquote haben.


Auswahlkriterien: So filtern Sie den Ideal-Kandidaten

a) Juristische Spezialisierung

  • Branchenfokus: Ein ehemaliger Kartellsenatsrichter ist ideal für Fusionsstreitigkeiten.
  • Vertragstypen: Ex-Familiengerichtspräsidenten kennen sich in Erbengemeinschafts-Konflikten aus.
  • Internationales Recht: Ehemalige EuGH-Richter bringen EU-Konfliktlösungskompetenz ein.

b) Verfügbarkeit & Effizienz

Prüfen Sie:

  • Aktuelle Caseload (max. 5 parallele Verfahren)
  • Durchschnittliche Verfahrensdauer in früheren Fällen
  • Nutzung digitaler Tools (E-Akte, Videokonferenzen)

c) Kulturelle Passung

In ASEAN-Streitigkeiten hat sich die Kombination aus deutschen Ex-Richtern und lokalen Co-Arbitratoren bewährt. Sie verbinden deutsche Gründlichkeit mit regionalem Konfliktverständnis.


Praktische Schritte: Vom Erstkontakt zur Bestellung

1. DIS-SchO 2018-konforme Prüfung

Gemäß Art. 9 DIS-SchO müssen Schiedsrichter Unparteilichkeit und keine Interessenkonflikte bestätigen. Fordern Sie:

  • Aktuelle Offenlegungserklärung
  • Liste aller Mandate der letzten 5 Jahre
  • Bestätigung der zeitlichen Kapazitäten

2. Institutionelle Listen nutzen

  • DIS-Expertenpool: Enthält 120+ ehemalige Richter mit Schwerpunktprofilen
  • ICC-Kommissionen: International besetzte Gremien mit Ex-Richtern aus 40+ Ländern
  • Chambers-Rankings: „Band 1“-Schiedsrichter mit richterlicher Vergangenheit

3. Co-Counsel einbinden

Lassen Sie lokale Anwälte in Zielländern die Vollstreckbarkeitsrisiken prüfen. Ein mexikanischer Kollege kann etwa einschätzen, ob ein Ex-BGH-Richter gegen ordre public-Verstöße immunisiert.


Fallstudie: Wie ein Ex-Richter 12 Mio. € rettete

In einem DIS-Verfahren 2023 zwischen einem deutschen Maschinenbauer und einem saudischen Händler leitete ein ehemaliger OLG-Präsident das Schiedsgericht. Sein Richter-Know-how bewährte sich in drei Schlüsselmomenten:

  1. Beweissicherung: Anordnung einer Blockchain-basierten Dokumentenplattform
  2. Zeugenbefragung: Kreuzverhör nach Common-Law-Standards
  3. Vollstreckungsvorbereitung: Formulierung des Spruchs im NYC-konformen Wordlaut

Das Ergebnis: Der Schiedsspruch wurde in Riad problemlos vollstreckt – die Alternative wäre ein 4-jähriges staatliches Verfahren gewesen.


Risiken im Blick: Wann Ex-Richter nicht passen

Trotz aller Vorteile gibt es Ausnahmen:

  • Überregulierungstendenz: Manche Ex-Richter übertragen staatliche Formalien auf Schiedsverfahren
  • Kostenfaktor: Honorare liegen 15–30% über dem Marktdurchschnitt
  • Innovationsskepsis: Zögerliche Nutzung von KI-Tools

Ein Due-Diligence-Check mit Anforderung von 3 Referenzverfahren schafft hier Klarheit.


Fazit: Systematische Auswahl als Wettbewerbsvorteil

Als Schiedsrichter und Anwalt rate ich: Nutzen Sie die Expertise ehemaliger Richter strategisch. Ihre Urteilsstärke, internationale Reputation und prozedurale Souveränität machen sie zur Premium-Option für High-Stakes-Verfahren. Kombinieren Sie dabei stets:

  • Branchenexpertise + Verfahrenserfahrung + kulturelle Intelligenz

Mit diesem Ansatz positionieren Sie Ihr Unternehmen nicht nur rechtlich sicher – Sie gewinnen auch wertvolle Zeit und Ressourcen für das Kerngeschäft.

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