Material-Adverse-Change-Klauseln (MAC-Klauseln) regeln das Risiko wesentlicher Veränderungen, die zwischen dem Abschluss des Vertrages und dem dinglichen Vollzug auftreten ( Becker/Voß, in Knott Unternehmenskauf, 5. Aufl. 2017, Rn. 958). Meist räumen sie dem Käufer ein Kündigungsrecht ein, falls vor dem dinglichen Vollzug vorher definierte Ereignisse eintreten. Im deutschen Recht wäre dies mit dem Rechtsinstitut der Störung der Geschäftsgrundlage vergleichbar.
2016 enthielten 15% aller europäischen Unternehmenskaufverträge MAC-Klauseln. In den USA sind es hingegen 91%.
MAC-Klauseln zählen nicht nur bei den Kaufvertragsverhandlungen, sondern auch Post-M&A zu den streitträchtigsten Klauseln in Unternehmenskaufverträgen. Dies beruht darauf, dass bei der Berufung auf ein MAC die gesamte Transaktion zum Scheitern oder zumindest in eine Schwebe gebracht werden kann. Das Risiko besteht hierbei vor allem für den Verkäufer. MAC-Klauseln enthalten in der Praxis meist generische, unbestimmte oder zukunftsgerichtete Formulierungen, wodurch das Streitpotential wächst.
Der Streit über das Vorliegen, bzw. Fehlen der Voraussetzungen oder die Auslegung der verwendeten Formulierungen führt häufig zu Post-Merger-Arbitration.

Der Kollege Wouter van Malenstein aus dem Amsterdamer Büro „Blenheim“ untersucht in seinem Blog-Beitrag vom 03. März 2020 die Auswirkungen der aktuellen Coronavirus Epidemie auf Unternehmenstransaktionen. Hierbei stellt er fest, dass der Coronavirus auf vielfältige Weise einen negativen Effekt auf das operative Geschäft und die Finanzposition des Zielunternehmens haben kann. Lieferengpässe können zu Umsatzeinbußen und Unterbeschäftigung der Arbeitnehmer führen. Genau diese Effekte können zum Eintritt der vertraglich vereinbarten Bedingungen führen, die dem Käufer einen Rücktritt vom Vertrag ermöglichen.

Er empfiehlt daher derzeit bei der Formulierung der MAC-Klauseln mögliche Szenarien im Hinblick auf den weiteren möglichen Verlauf der Epidemie einzubeziehen. Bei fremdfinanzierten Käufen ist jedoch noch darauf zu achten, dass eine MAC-Klausel im Darlehensvertrag mit derjenigen im Kaufvertrag inhaltlich übereinstimmt, da anderenfalls die Gefahr besteht, dass sich das Kreditinstitut wirksam auf eine MAC-Klausel beruft und der Unternehmenskauf aus eigenen Mitteln finanziert werden muss (Göthel in, Grenzüberschreitende M&A Transaktionen, 4. Aufl., 2015, § 2 Rn. 149).