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ICC Schiedsverfahren
ICC Schiedsverfahren gehören zu den weltweit anerkanntesten Formen institutioneller Streitbeilegung. Sie eignen sich besonders für komplexe internationale Handels-, M&A-, Bau-, Energie-, Lieferketten- und Projektstreitigkeiten, bei denen neutrale Verfahrensadministration, institutionelle Qualitätssicherung (Scrutiny) und internationale Vollstreckbarkeit im Vordergrund stehen.
ICC Rules 2026 ab 1. Juni 2026
Scrutiny of Awards
Emergency Arbitrator
Expedited Procedure
Was ist ein ICC Schiedsverfahren?
Ein ICC Schiedsverfahren ist ein institutionell administriertes Schiedsverfahren nach der Schiedsgerichtsordnung der Internationalen Handelskammer. Der ICC International Court of Arbitration entscheidet nicht selbst über den Streit, sondern überwacht und administriert das Verfahren. Die Entscheidung trifft das Schiedsgericht. Ein zentrales Merkmal ist die Scrutiny: Entwürfe von Schiedssprüchen werden vom ICC Court geprüft, bevor sie unterzeichnet werden.
Strategischer Kern: Die ICC ist häufig die richtige Wahl, wenn ein Streit international, komplex und hochpreisig ist — und die Parteien Wert auf institutionelle Qualitätssicherung, erfahrenes Case Management und weltweite Akzeptanz legen.
Globale Akzeptanz
ICC-Verfahren sind weltweit etabliert und besonders in internationalen Großprojekten, Lieferketten und Finanzierungsstrukturen verbreitet.
Scrutiny of Awards
Entwürfe von Schiedssprüchen werden vor Unterzeichnung vom ICC Court geprüft. Das erhöht formale Qualität und Vollstreckungstauglichkeit und ist eines der prägenden Merkmale der ICC-Schiedsgerichtsbarkeit.
Komplexe Strukturen
Die ICC-Regeln enthalten Instrumente für Mehrparteien-, Mehrvertrags-, Konsolidierungs- und Joinder-Konstellationen sowie Emergency Arbitrator und Expedited Procedure.
Wann eignet sich ein ICC Schiedsverfahren?
ICC Arbitration ist besonders sinnvoll, wenn Parteien aus unterschiedlichen Rechtsordnungen beteiligt sind, ein neutraler Schiedsort benötigt wird oder ein Schiedsspruch in mehreren Jurisdiktionen vollstreckt werden muss.
- Internationale Lieferketten: Streitigkeiten aus Kauf, Vertrieb, Incoterms, Qualität, Lieferverzug, Zahlung und Rückgriff.
- Bau und Anlagenbau: EPC, Subunternehmerketten, Nachträge, Delay, Liquidated Damages und technische Gutachten.
- M&A und Joint Ventures: Kaufpreisanpassung, Garantien, Earn-out, Gesellschafterkonflikte und Exit-Szenarien.
- Energie und Infrastruktur: langfristige Projektverträge, staatliche Einheiten, Konzessionen und Finanzierungsstrukturen.
- Mehrparteien-/Mehrvertragsfälle: Projektketten, Konzernstrukturen und parallele Vertragswerke mit Konsolidierungsbedarf.
ICC Arbitration Rules: 2021 und Änderungen 2026
Die ICC Arbitration Rules 2021 sind derzeit die zentrale Grundlage für ICC-Schiedsverfahren. Nach Art. 6 Abs. 1 der 2021 Rules gelten grundsätzlich die Regeln, die am Tag des Verfahrensbeginns in Kraft sind, sofern die Parteien nicht auf die Regeln zum Zeitpunkt der Schiedsvereinbarung verwiesen haben.
ICC Rules 2026 — ab 1. Juni 2026: Die ICC hat am 25. Mai 2026 die revidierten ICC Arbitration Rules verabschiedet. Sie gelten für alle Requests for Arbitration, die am oder nach dem 1. Juni 2026 eingereicht werden. Die wesentlichen Änderungen gegenüber den ICC Rules 2021 sind nachfolgend ausgewiesen.
| Regelungsbereich | Änderung ab 1. Juni 2026 |
|---|---|
| Terms of Reference NEU 2026 | Nicht mehr verpflichtend. Die ICC Rules 2026 sehen Terms of Reference nicht mehr als zwingendes Verfahrenselement vor. Stattdessen tritt die Initial Case Management Conference (CMC) innerhalb von 30 Tagen nach Aktenübermittlung an das Tribunal an deren Stelle (Art. 24). |
| Case Management Conference (CMC) NEU 2026 | Die erste CMC strukturiert das Verfahren, legt den Zeitplan fest und ersetzt die Terms of Reference als organisatorisches Instrument. Weitere CMCs können vom Tribunal angesetzt werden (Art. 24). |
| Neue Claims — Frist Geändert 2026 | Neue Ansprüche können nach den 2026 Rules bis zur ersten CMC ohne Tribunalgenehmigung eingereicht werden. Nach der ersten CMC ist eine Genehmigung des Tribunals erforderlich (Art. 25). Bisher war der Stichtag die Unterzeichnung der Terms of Reference. |
| Early Determination NEU 2026 | Neu eingeführt: Das Tribunal kann auf Antrag einer Partei offensichtlich unbegründete Ansprüche oder Einwendungen frühzeitig ohne vollständige Beweisaufnahme entscheiden (Art. 30). Das kann Kosten und Verfahrensdauer erheblich reduzieren. |
| Highly Expedited Arbitration NEU 2026 | Völlig neues opt-in Verfahren für besonders eilbedürftige Fälle. Wenn alle Parteien zustimmen, wird das Verfahren nach den Highly Expedited Arbitration Provisions (Appendix VI) geführt. Ziel: Final Award innerhalb von 3 Monaten. Das Verfahren ist primär schriftlich. |
| Expedited Procedure — Schwelle Geändert 2026 | Die Schwelle für das automatische Expedited Procedure steigt von USD 3 Mio. auf USD 4 Mio. für Schiedsvereinbarungen ab 1. Juni 2026. Opt-out bleibt möglich (Art. 32 + Appendix V). |
| Consolidation — Erweiterung Erweitert 2026 | Die Konsolidierungsmöglichkeiten wurden ausgebaut. Der Court kann auf Antrag mehrere Verfahren konsolidieren, auch wenn sie unter unterschiedlichen Schiedsvereinbarungen eingeleitet wurden, sofern die Voraussetzungen von Art. 11 erfüllt sind. |
| Arbitrator Confidentiality NEU 2026 | Schiedsrichter sind nun ausdrücklich zur Vertraulichkeit verpflichtet (Art. 12(8)). Sie müssen alle Angelegenheiten der Schiedsgerichtsbarkeit vertraulich behandeln, sofern nicht gesetzlich anders vorgeschrieben oder von den Parteien vereinbart. |
| Third-Party Funding — Disclosure Erweitert 2026 | Die Offenlegungspflichten zu Prozessfinanzierung wurden präzisiert und erweitert. Parteien müssen bereits bei Einreichung des Request oder Answer eine Liste von Personen und Entitäten vorlegen, die Schiedsrichter bei Disclosure-Entscheidungen berücksichtigen sollten (Art. 12(5)-(6)). |
| Elektronische Kommunikation & Signaturen Klarstellung 2026 | Die 2026 Rules stellen klar, dass elektronische Kommunikation der Standard ist (Art. 3). Schiedssprüche können elektronisch signiert werden, auch in Gegenzeichnung (counterparts), und elektronisch zugestellt werden (Art. 38). |
| Scrutiny of Awards | Bleibt unverändert ein zentrales Merkmal der ICC-Schiedsgerichtsbarkeit. Der ICC Court prüft weiterhin alle Award-Entwürfe vor Unterzeichnung (Art. 37). |
| Emergency Arbitrator | Bleibt bestehen. Für eilbedürftige Maßnahmen vor Konstituierung des Tribunals können Parteien einen Emergency Arbitrator beantragen (Art. 31 + Appendix IV). |
Offizielle Quellen:
·
ICC Rules 2026 — Offizielle Ankündigung ·
ICC Rules 2021/2026 Vergleichsdokument (PDF)
Ablauf eines ICC Schiedsverfahrens
Der Ablauf hängt von Schiedsklausel, Streitwert, Zahl der Parteien, Beweisumfang, Schiedsort, Sprache und Tribunalgröße ab. Für Verfahren ab 1. Juni 2026 gelten die ICC Rules 2026 mit geänderter Verfahrensstruktur (CMC statt Terms of Reference).
Request for Arbitration
Die klagende Partei reicht den Request bei der ICC ein, zahlt die Filing Fee und legt Schiedsklausel, Ansprüche, Streitwert, Schiedsort, Sprache und Verfahrensvorschläge dar.
Answer und Counterclaims
Die beklagte Partei reicht die Answer ein, nimmt zu Ansprüchen und Verfahrensfragen Stellung und kann Gegenansprüche geltend machen.
Konstituierung des Tribunals
Der ICC Court bestätigt oder ernennt die Schiedsrichter. Entscheidend sind Unabhängigkeit, Verfügbarkeit, Fachkunde, Sprache und Erfahrung. Disclosure-Fragen sind früh zu klären.
Initial Case Management Conference (CMC)
Neu ab 1. Juni 2026: Innerhalb von 30 Tagen nach Aktenübermittlung hält das Tribunal die erste CMC ab. Hier werden Verfahrenszeitplan, Beweisaufnahme, Schriftsatzfristen und alle verfahrensleitenden Maßnahmen festgelegt. Die CMC ersetzt die bisherigen Terms of Reference als Strukturierungsinstrument.
Schriftwechsel, Beweisaufnahme und Hearing
Die Parteien reichen Schriftsätze, Urkunden, Zeugenerklärungen und Sachverständigengutachten ein. Das Hearing kann physisch, hybrid oder virtuell stattfinden. Elektronische Einreichungen und digitale Verfahrensführung sind Standard.
Draft Award, Scrutiny und Final Award
Das Tribunal erstellt den Entwurf des Schiedsspruchs. Der ICC Court prüft den Entwurf im Scrutiny-Verfahren. Erst danach wird der Final Award erlassen und elektronisch zugestellt.
Kosten und Gebühren im ICC Schiedsverfahren
Die Kosten eines ICC Schiedsverfahrens bestehen aus Filing Fee, ICC Administrative Expenses, Schiedsrichterhonoraren, Schiedsrichterauslagen und Parteikosten. Die ICC-Kosten sind streitwertbezogen; Parteikosten, Sachverständige, Übersetzungen, Hearing-Kosten und Vollstreckungskosten müssen gesondert kalkuliert werden.
Institutionelle Kosten
- Filing Fee bei Einreichung des Request
- ICC Administrative Expenses nach Gebührenordnung
- Schiedsrichterhonorare nach Streitwert und Verfahrensumfang
- Auslagen des Tribunals und zusätzliche Verfahrenskosten
Parteikosten
- Anwaltliche Vertretung, häufig größter Einzelposten
- Sachverständige und technische Analysen
- Übersetzungen und Dokumentenaufbereitung
- Zeugen, Hearings, Reisen und Vollstreckung
Für die Budgetplanung: Der ICC-Kostenrechner schätzt ICC Administrative Expenses und Schiedsrichterhonorare. Er berücksichtigt nicht die eigenen Anwaltskosten, Sachverständigenkosten, Übersetzungen, Beweisaufbereitung oder Vollstreckungskosten. Für Verfahren ab 1. Juni 2026 ist zusätzlich die dann aktuelle ICC-Gebührenordnung (Schedule of Fees) zu prüfen.
Muster-Schiedsklausel für ICC-Verfahren
Die folgende Arbeitsfassung orientiert sich an der offiziellen ICC Standard Arbitration Clause und ergänzt praxisrelevante Parameter. Sie sollte an Vertrag, Branche, Streitwert, Schiedsort, Sprache, Schiedsrichterzahl und anwendbares Recht angepasst werden.
All disputes arising out of or in connection with the present contract shall be finally settled under the Rules of Arbitration of the International Chamber of Commerce by one or more arbitrators appointed in accordance with the said Rules. Seat of arbitration: [Paris / Frankfurt am Main / Zurich / The Hague / other] Number of arbitrators: [one / three] Language: [English / German / French / other] Governing law: [chosen substantive law] Optional: The Emergency Arbitrator Provisions shall not apply. Optional: The Expedited Procedure Provisions shall not apply. Optional: The parties agree that the Expedited Procedure Provisions shall apply irrespective of the amount in dispute.
Nicht blind übernehmen: Bei ICC-Klauseln sollten insbesondere Seat, Sprache, Schiedsrichterzahl, materielles Recht, Emergency Arbitrator, Expedited Procedure, Vertraulichkeit, Mehrvertragsstrukturen und Vollstreckungsstaaten geprüft werden. Für neue Verträge ab Juni 2026 sollte berücksichtigt werden, dass Verfahren nach den ICC Rules 2026 keine Terms of Reference mehr erfordern und neue Claims bis zur ersten CMC eingereicht werden können.
ICC im Vergleich zu DIS, LCIA und UNCITRAL
Die Wahl zwischen ICC, DIS, LCIA und UNCITRAL hängt von Streitwert, internationalem Bezug, gewünschter Institutionalisierung, Kostenstruktur, Schiedsort und Vollstreckungsstrategie ab.
| Kriterium | ICC | DIS | LCIA | UNCITRAL |
|---|---|---|---|---|
| Typischer Bezug | Globale Großverfahren und komplexe internationale Streitigkeiten | Deutschland, DACH, Europa | London, Common Law, internationale Handels- und Finanzstreitigkeiten | Ad-hoc-Verfahren, Investitions- und Handelsstreitigkeiten |
| Aktuelle Regeln | ICC Rules 2021; ab 1. Juni 2026 ICC Rules 2026 für neue Requests | DIS-SchO 2018 | LCIA Rules 2020 | UNCITRAL Arbitration Rules 2021 |
| Verfahrensstruktur | Bis 31.5.2026: Terms of Reference; ab 1.6.2026: Initial CMC | Case Management Conference | Flexibel, keine fixen Strukturelemente | Frei gestaltbar |
| Award Scrutiny | Ja, prägendes ICC-Merkmal | Nein | Nein | Nein |
| Kostenmodell | Streitwertbasiert | Streitwertbasiert | Zeitbasiert | Frei vereinbar |
| Strategischer Vorteil | Globale Akzeptanz, Qualitätssicherung, Mehrparteienfähigkeit, Early Determination | Deutschlandnähe und Effizienz | Londoner Schiedspraxis und Flexibilität | Maximale Gestaltungsfreiheit |
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Strategische Hinweise für Unternehmen
Ein ICC Schiedsverfahren sollte nicht erst bei Einreichung des Request geplant werden. Die wesentlichen Weichen werden bereits in der Schiedsklausel gestellt. Die ICC Rules 2026 bringen wichtige verfahrensrechtliche Änderungen, die bei der Klausel- und Verfahrensgestaltung zu berücksichtigen sind.
- Seat bewusst wählen: Paris, Frankfurt, Zürich, Den Haag oder London haben unterschiedliche Folgen für Gerichtshilfe, Aufhebung und Vollstreckbarkeit.
- Schiedsrichterzahl prüfen: Einzelschiedsrichter spart Kosten; Dreiertribunal ist bei hohen Streitwerten, technischen Fragen und Mehrparteienlagen oft stabiler.
- Sprache festlegen: Englisch ist häufig zweckmäßig; Deutsch kann bei DACH-Bezug und deutschsprachigen Beweismitteln sinnvoll sein.
- Expedited Procedure steuern: Opt-out oder Opt-in bewusst entscheiden. Ab 1. Juni 2026 gilt die neue Schwelle von USD 4 Mio.
- Early Determination nutzen: Der neue Mechanismus (Art. 30 ICC Rules 2026) kann bei offensichtlich unbegründeten Ansprüchen oder Einwendungen Kosten erheblich reduzieren. Das sollte in der Verfahrensstrategie berücksichtigt werden.
- Highly Expedited Arbitration prüfen: Für besonders eilbedürftige Fälle kann das neue opt-in Schnellverfahren mit 3-Monats-Ziel sinnvoll sein, wenn alle Parteien zustimmen.
- CMC-Vorbereitung: Ab 1. Juni 2026 ersetzt die erste CMC die Terms of Reference. Die Vorbereitung sollte entsprechend intensiv sein, da hier Zeitplan und Verfahrensstruktur festgelegt werden.
- Third-Party Funding offenlegen: Die erweiterten Disclosure-Pflichten nach Art. 12(5)-(6) ICC Rules 2026 sollten von Anfang an beachtet werden.
- Mehrparteienfälle vorbereiten: Konsolidierung, Joinder und parallele Verträge sollten bereits im Klauseldesign mitgedacht werden. Die erweiterten Konsolidierungsmöglichkeiten nach Art. 11 ICC Rules 2026 eröffnen neue strategische Optionen.
- Kostenmanagement früh starten: Issues-Liste, Beweismatrix, Seitenlimits, Dokumentenproduktion und Hearing-Dauer gehören in die erste CMC-Phase.
Vollstreckung und Aufhebung von ICC-Schiedssprüchen
ICC-Schiedssprüche können grundsätzlich nach dem New Yorker Übereinkommen international anerkannt und vollstreckt werden. Praktisch entscheidend sind Schiedsort, Verfahrenssauberkeit, Zustellung, rechtliches Gehör, klare Tenorierung und die Identifikation vollstreckbarer Vermögenswerte.
Praxispunkt: Die Scrutiny ersetzt keine Vollstreckungsstrategie. Sie kann helfen, formale und strukturelle Schwächen im Award zu reduzieren. Die Vollstreckung sollte bereits vor Verfahrenseinleitung anhand von Vermögenswerten und Zielstaaten geplant werden. Elektronisch signierte Awards (ab 1. Juni 2026 ausdrücklich zulässig nach Art. 38 ICC Rules 2026) sind im jeweiligen Vollstreckungsstaat gesondert zu prüfen.
Kontakt und offizielle ICC-Informationen
International Chamber of Commerce — ICC Dispute Resolution ServicesInternational Court of Arbitration
Paris, Frankreich
Website: iccwbo.org/dispute-resolution
Maßgeblich sind stets die aktuelle ICC-Regelfassung, die offizielle Gebührenordnung (Schedule of Fees), die Standardklauseln und die Hinweise der ICC. Für Requests ab dem 1. Juni 2026 gelten die ICC Arbitration Rules 2026.
FAQ: Häufige Fragen zum ICC Schiedsverfahren
Was ist ein ICC Schiedsverfahren?
Ein ICC Schiedsverfahren ist ein institutionell administriertes Schiedsverfahren nach der Schiedsgerichtsordnung der Internationalen Handelskammer. Die Entscheidung trifft das Schiedsgericht; die ICC administriert und überwacht den Verfahrensrahmen einschließlich des Scrutiny-Mechanismus.
Welche ICC-Regeln gelten aktuell?
Bis 31. Mai 2026 sind die ICC Arbitration Rules 2021 maßgeblich. Für Requests for Arbitration, die am oder nach dem 1. Juni 2026 eingereicht werden, gelten die ICC Arbitration Rules 2026. Für vor diesem Datum eingereichte Verfahren bleiben grundsätzlich die ICC Arbitration Rules 2021 anwendbar, sofern sich aus Parteivereinbarung nichts anderes ergibt.
Was sind die wichtigsten Änderungen der ICC Rules 2026?
Die wichtigsten Änderungen: (1) Terms of Reference sind nicht mehr verpflichtend, stattdessen Initial Case Management Conference (CMC); (2) Early Determination für offensichtlich unbegründete Ansprüche (Art. 30); (3) Highly Expedited Arbitration als neues opt-in Schnellverfahren; (4) Expedited Procedure Schwelle steigt auf USD 4 Mio.; (5) ausdrückliche Vertraulichkeitspflicht für Arbitratoren; (6) erweiterte Third-Party Funding Disclosure; (7) elektronische Award-Signaturen ausdrücklich geregelt.
Was ist die Scrutiny im ICC-Verfahren?
Scrutiny bedeutet, dass der ICC Court Entwürfe von Schiedssprüchen vor Unterzeichnung prüft. Das Tribunal bleibt sachlich unabhängig; formale Qualität und Vollstreckungstauglichkeit werden institutionell kontrolliert. Die Scrutiny bleibt auch unter den ICC Rules 2026 eines der prägenden Merkmale der ICC-Schiedsgerichtsbarkeit.
Wie werden die Kosten eines ICC Schiedsverfahrens berechnet?
ICC Administrative Expenses und Schiedsrichterhonorare richten sich grundsätzlich nach dem Streitwert. Hinzu kommen Parteikosten, Sachverständige, Übersetzungen, Hearing-Kosten, Auslagen und Vollstreckungskosten. Der ICC-Kostenrechner berücksichtigt nicht die gesamte wirtschaftliche Kostenbelastung eines Verfahrens.
Wann greift das Expedited Procedure?
Nach den ICC Arbitration Rules 2021 greift das Expedited Procedure bei Schiedsvereinbarungen ab 1. Januar 2021 grundsätzlich bis USD 3 Mio. Für Verfahren ab 1. Juni 2026 gilt nach den ICC Rules 2026 eine Schwelle von USD 4 Mio. Opt-out ist weiterhin möglich.
Was ist das Highly Expedited Arbitration Verfahren?
Das Highly Expedited Arbitration ist ein neues opt-in Verfahren der ICC Rules 2026. Wenn alle Parteien zustimmen, wird ein besonders schnelles, primär schriftliches Verfahren durchgeführt mit dem Ziel, einen Final Award innerhalb von drei Monaten zu erlassen (Art. 33 + Appendix VI).
Was ist Early Determination?
Early Determination (Art. 30 ICC Rules 2026) ermöglicht es dem Tribunal, auf Antrag einer Partei offensichtlich unbegründete Ansprüche oder Einwendungen frühzeitig ohne vollständige Beweisaufnahme zu entscheiden. Dies kann Kosten und Verfahrensdauer erheblich reduzieren.
Gibt es bei ICC einen Emergency Arbitrator?
Ja. Die ICC-Regeln sehen einen Emergency Arbitrator für eilbedürftige Maßnahmen vor Konstituierung des Schiedsgerichts vor, sofern die Parteien diesen Mechanismus nicht ausgeschlossen haben (Art. 31 + Appendix IV).
ICC oder DIS?
ICC ist häufig vorzugswürdig bei komplexen internationalen Großverfahren, Mehrparteienfällen und hohem Bedürfnis nach globaler Akzeptanz. DIS ist oft effizienter bei starkem Deutschland- oder DACH-Bezug. Die ICC Rules 2026 bieten mit Early Determination und Highly Expedited Arbitration neue Effizienzinstrumente.
Kann eine ICC-Schiedsklausel nachträglich vereinbart werden?
Ja. Parteien können auch nach Vertragsschluss eine Schiedsvereinbarung zugunsten der ICC treffen. Beide Seiten müssen zustimmen. Es ist zu prüfen, welche Regelfassung dann gilt (abhängig vom Datum des Request for Arbitration).
Verwandte Schiedsorganisationen
Die ICC ist nicht die einzige Institution für internationale Schiedsverfahren. Je nach Streitgegenstand, regionalem Bezug, Kostenstruktur und Verfahrensanforderungen können andere Schiedsorganisationen besser geeignet sein.
Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS)
Die DIS ist bei Verfahren mit starkem Deutschland- oder DACH-Bezug häufig effizienter und kostengünstiger als die ICC. Sie bietet schnellere Verfahren bei vergleichbarer Qualität und ist besonders für mittelständische Unternehmen mit europäischen Handelsstreitigkeiten geeignet.
London Court of International Arbitration (LCIA)
Neben der ICC zählt die LCIA zu den weltweit führenden Institutionen für internationale Handelsschiedsverfahren. Die LCIA ist besonders bei Common-Law-geprägten Verträgen, Finanzstreitigkeiten und komplexen internationalen M&A-Fällen verbreitet und arbeitet mit zeitbasierten statt streitwertbasierten Schiedsrichterhonoraren.
Swiss Arbitration Centre
Das Swiss Arbitration Centre bietet eine neutrale Alternative zur ICC mit Sitz in der Schweiz. Es eignet sich besonders für Parteien, die eine unabhängige europäische Institution suchen, kombiniert mit Schweizer Rechtsstandards und international anerkannter Vollstreckbarkeit.
Strategischer Hinweis: Die Wahl der richtigen Schiedsinstitution sollte bereits bei Vertragsschluss erfolgen. Faktoren wie Streitwert, internationale Vollstreckung, Schiedsort, Kostenstruktur und branchenspezifische Erfahrung der Institution sind entscheidend.
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Beratung zu ICC-Schiedsklauseln und ICC-Verfahren
Sie möchten eine ICC-Schiedsklausel prüfen, ein ICC Schiedsverfahren vorbereiten oder ein laufendes Verfahren strategisch strukturieren? Die ICC Rules 2026 bringen wichtige Änderungen, die bei der Klauselgestaltung und Verfahrensführung zu berücksichtigen sind. Eine frühe Prüfung hilft, Zuständigkeitsstreitigkeiten, Kostenrisiken, Beweisprobleme und Vollstreckungsschwierigkeiten zu vermeiden.
Erste Einschätzung: Wir prüfen Ihre ICC-Schiedsklausel oder Ihren Sachverhalt und geben eine erste Einordnung zu Zuständigkeit, Strategie, Beweisen und Kostenrahmen unter Berücksichtigung der ICC Rules 2026.